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So mancher Leser würde bei der Überschrift wahrscheinlich denken dieser Artikel würde sich um den La Ferrari oder zumindest den 458 Speciale oder ähnliches drehen. Doch weit gefehlt. Mein persönlicher Über-Ferrari ist ein ganz anderes Fahrzeug….
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Das Fahrzeug welches für mich persönlich den Über-Ferrari darstellt ist der „Babyferrari“ der 1990er Jahre: Der F355. So mancher würde mich an dieser Stelle vielleicht für verrückt erklären, doch der F355 vereint wie kein anderer Ferrari die alte mit der neuen Welt und ist damit besonders hervorragend. Zum einen die rohe, einfache Seite ohne technische Helferlein und Schnick-Schnack, welche an die 1970er und 1980er Jahre erinnert und zum anderen die moderne Seite, die vorausblicken lässt, was die Jahrtausendwende bringen würde. Dabei beschränkt sich die Technik auf sinnvolle Ergänzungen wie ein einstellbares Fahrwerk oder Fünfventiltechnik, der Einfluss der neuen Zeit ist eher an der hervorragenden Qualität des gesamten Fahrzeugs zu sehen. Größtenteils herrscht also Einfachheit und damit maximale Einbeziehung des Fahrers vor: Manuelle Handschaltung, kein ESP, abschaltbares ABS und kein Computer der in das Fahren eingreift. So ist dieser Ferrari sehr mechanisch und gleichzeitig herrlich zu fahren. Der Vorgänger 348 war zwar auch mechanisch und bezog den Fahrer gut mit ein, doch war alles andere als herrlich zu fahren. Der Nachfolger 360 war schwerer, hatte zahlreiche Computer an Bord und somit kein ungefiltertes Fahrerlebnis wie der F355. Nur er schafft es das beste aus dem ausgehenden 20. Jahrhundert zu retten und es mit sinnvollem aus dem 21. Jahrhundert zu paaren.
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Der Motor trägt natürlich auch einen großen Teil dazu bei. Es handelt sich um einen 3,5 Liter V8 Hochdrehzahl- Mittelmotor, der bis zu schwindelerregenden 8500 u/min dreht. 381 PS entwickelt das Aggregat und verhilft dem F355 zu Fahrleistungen, die heute noch ansehnlich sind: 4,7 Sekunden von 0-100 km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von fast 300 km/h.
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Aber viel beeindruckender als diese Werte ist das Handling. Äußerst flink und dank Mittelmotor fast immer neutral geht es um die Kurven. Gepaart mit der Rückmeldung, die einem das Fahrzeug dank größtenteils mechanischen Elementen geben kann, ist das Fahrerlebnis fantastisch und kein bisschen synthetisch wie bei einigen neuen Fahrzeugen.
Und dann das Design: Während heutige Ferraris durch den Windkanal ihre Form finden und im Labor zurecht geschliffen werden, diktiert beim F355 der Designer: In diesem Fall kein geringerer als Sergio Pininfarina. Äußert elegant ist der F355, die etwas raue Gitteroptik der 80er Jahre ist verschwunden. Aber die Klappscheinwerfer sind, sehr zu Freunde vieler (inklusive mir) geblieben. Innen ist die Qualität erstmals dem Preis ansprechend und alles ist schlicht aber edel.
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Natürlich ist der F355 verglichen mit heutigen Ferraris nicht mehr im entferntesten konkurrenzfähig, doch für mich hat er das große Plus des ungefilterten Fahrspaßes: Kein Doppelkupplungsgetriebe, keine 1276 fach einstellbare Traktionskontrolle, keine Computer: Einfach ein fantastischer Mittelmotor, ein fantastisches Chassis, 3 Pedale, das Lenkrad und der Fahrer. Genau das also, was viele Enthusiasten heute von den Herstellern wieder fordern, anstatt mit teils überflüssiger Elektrik vollgestopfte Fahrzeuge, die eigentlich nur noch leistungsfähige Computer sind, die zufällig 4 Räder haben.
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 In seiner Zeit war der F355 der Konkurrenz überlegen, heute stellt er für mich immer noch ein emotionsgeladenden Sportler dar, der ein ungefiltertes Fahrerlebnis und somit einen unglaublichen Fahrspaß liefert. Und das beste an der ganzen Sache: Der F355 ist heutzutage sogar erschwinglich. Gut gepflegte Exemplare gibt es ab 55.000-60.000 Euro. Die Unterhaltskosten sind aufgrund der Werkstattpreise bei Ferrari natürlich sehr hoch, doch immerhin ist der Motor und eigentlich das ganze Fahrzeug bei Pflege zuverlässig. Der Verbrauch hält sich bei einer Fahrmaschine mit fast 400 PS mit ca. 15 Liter bei normaler Fahrweise auch noch einigermaßen im Rahmen. Hätte ich eine Menge Geld über, würde ich zweimal überlegen bevor ich mir einen Porsche 911 oder ähnliches zulegen würde, denn nicht vergessen: Maranello hat einmal das Auto gebaut, von dem eigentlich alle Petrolheads dieser Welt träumen…